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Ein geschätzter Klient von uns gehörte zur Gruppe der „high functioning alcoholics“. Er war zudem ein geschätzter Freund, erfolgreicher Selbständiger und auch aktiver Glaubensbruder, der aufgrund seines hohen Funktionsgrades allerdings komplett therapieresistent war.
Im Alltag meisterte er mühelos alle Anforderungen, zog sich jedoch abends in die Einsamkeit zurück, um entspannen und von dem anstrengenden Tag zur Ruhe kommen zu können. Das Schema war meist das gleiche:
- Schritt 1: Kauf eines „Sechserträgers“, vorzugsweise Hefeweizen; später ergänzt durch einen 95cl-Whiskeyflachmann. Das im festen Willen, dass er nur 2 Flaschen trinken und den Rest aufbewahren werde.
- Schritt 2: Sicherstellen eines ausreichenden Zigaretten-Vorrats, um bei 1-2 Zigaretten zu chillen.
Die Gespräche haben ergeben, dass er dieses Ansinnen durchaus ehrlich meinte und sich der gesundheitlichen Gefahren durchaus bewusst war. Seine Verfassung am Folgetag lies ihn aber erkennen, dass diese Pläne wohl regelmäßig scheiterten und er bat uns um Hilfe und Aufklärung. Nach wie vor war er aber der festen Überzeugung, die Situation „im Griff“ zu haben.
Wir rieten ihm – da er aufrichtig Hilfe suchte – zu der recht unkonventionellen Vorgehensweise, seine abendlichen „Chillzeiten“ doch einmal per Handy zu filmen und sich im nüchternen Zustand mit ihnen zu konfrontieren.
Die Aufnahmen zeigten einen komplett „unplanmäßigen Verlauf“:
- Zum schnelleren Entspannen widmete er sich zunächst dem Flachmann, was eine „Grundausgeglichenheit“ sicherstellen sollte.
- Die erste Zigarette wurde angezündet und unter AmazonPrime eine harmlose Dokumentation gestartet.
- Nach einer halben Stunde belief sich das Konto auf 1 Flachmann, 4 Zigaretten und zwei Hefeweizen und sein Blick war schon erkennbar getrübt.
- Eine weitere halbe Stunde später war der Gesamtumsatz auf 1 Flachmann, 9 Zigaretten und vier Hefeweizen angestiegen, der deutliche Kontrollverlust (bzgl. der Planungen) tritt deutlich zu Tage. Da die Dokumentation mittlerweile zu Ende gelaufen ist, wird ein weiterer Film gestartet; dieses Mal aber einer aus seinem persönlichen „Tabu-Bereich“.
- 15 Minuten später werden keine weiteren Zigaretten mehr angezündet, stattdessen wird an der erloschenen Zigarette gezogen – ohne dies zu bemerken. Die zwei weiteren Hefeweizen fordern ihren Tribut, ebenso die einsetzende Übelkeit. Atmung, Blick und Balance sind stark reduziert und unser Freund wankt ins Bett.
- Am Folgetag diskutiert er überzeugt (!) mit seiner Ehefrau, nicht zu viel getrunken zu haben und auch nur mäßig Tabak konsumiert zu haben.
Wir sind dankbar, dass unser Freund nun „trocken“ ist und eine erstaunliche ResilienzResilienz kann mit Widerstandsfähigkeit übersetzt werden, oft auch im Kontext der Wehrhaftigkeit. gegenüber beiden Abhängigkeiten zeigt. Ebenso sprechen wir ihm auch nicht ab, aus bestem Willen gehandelt und nicht bewusst gelogen zu haben.
Unsere Erfahrungen zeigen, dass sehr viele Konsumenten wirklich kein Bild davon haben, was sie da eigentlich mit sich anstellen. Warnende Hinweise durch Ehepartner und Freunde werden als übertrieben deklariert, denn „das hätte ich ja mitbekommen“. Und da können wir nur sagen: Nein, hättest Du nicht – keine Chance!
Als Christen möchten wir dies klar als Strategie Satans bezeichnen:
- Die eigentlich einzig freie Entscheidung wurde in dem Moment getroffen, als er sich für Alkohol/Tabak und den abgeschiedenen Genuss entschied. Ab diesem Moment hat diese – in nüchternem Zustand getroffene – weitere Planung nur sehr geringe Relevanz.
- Der durch den Alkoholkonsum eintretende Kontrollverlust ebnete nun folgenden Problemen den Weg:
- Intoxikation durch übermäßigen Alkoholkonsum (Erbrechen, Blutdruck, Verlust von Gleichgewicht und Artikulationsvermögen, etc.)
- Intoxikation durch übermäßigen Tabakkonsum (Atmung, Übelkeit, Blutdruck, etc.)
- Seelische Intoxikation durch „No-Go“-Filme
- Schleichender Verlust der Selbstachtung und zunehmende DepressionEine Depression ist eine aus medizinischer Sicht ernste und behandlungsbedürftige Erkrankung. Sie beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen. Die kann viele Formen annehmen, beispielsweise eine depressive Episode (ICD10 F32.-) oder auch eine chronifizierte Form erreichen (rezidivierende depressive Störung; ICD10 F33.-). durch unterschwelliges Bewusstsein eines Fehlverhaltens.
- Zunehmende familiäre Probleme durch Aggression und Selbst-Viktimisierung (Unterstellung, …)
Wir möchten alle Gefährdeten und Abhängigen wirklich ermuntern, an dem elementaren Punkt der Entscheidung (Kaufen?/allein trinken?) bestimmt „Nein“ zu sagen. Erspart Euch das Trauma unseres Freundes, seinen wahren Zustand mittels „Videobeweis“ zu erkennen. An dem Punkt des medizinischen Kontrollverlusts (unter Alkoholeinfluss kann man diesen nicht verlässlich erkennen/attestieren) öffnet Ihr all dem Tür und Tor, was Ihr im Alltag klar abweist – und Euch auch nicht zutraut. Der übermäßige Konsum und damit einhergehende Kontrollverlust fungiert zudem als „Mantel des Bösen“, der Dich am Folgetag gar nicht mehr erkennen und be-/verurteilen lässt, wozu Du zweckentfremdet wurdest (Dein Bewusstsein ist ja zumindest weitestgehend „offline“).
Damit verurteilen wir keinen maßvollen Alkoholkonsum als solchen, auch wenn wir grundsätzlich vom Genuss abraten, da Alkohol bereits ab dem ersten Tropfen ein Zellgift ist. Es sollten aber Vorkehrungen (Alkoholgenuss z.B. nur in gesunder Gesellschaft) getroffen werden, dass kein Kontrollverlust auftreten kann, der jemand anderem das „Lenkrad“ übergibt und Dinge mit Dir durchzieht, die Du in nüchternem Zustand niemals tun würdest und verurteilst!
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