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Der Begriff Doom-Scrolling (oder auch Doom-Surfing) beschreibt das überwiegende oder exzessive Konsumieren negativer Nachrichten in Internet und Social-Media. „Doom“ steht dabei für Schicksal, Verhängnis oder auch Verderben, worin es sich von einer reinen Sensationslust unterscheidet – da sich der Fokus auf negativ konnotierte Themen richtet.

Sind Sensationslust und Doom-Scrolling neue Negativ-Trends?

Dieser Trend war nicht nur zu Zeiten der Corona-Krise oder des Beginns des Ukraine-Kriegs zu beobachten, die Problematik der übermäßigen, (un)bewussten Exposition mit Negativem ist mittlerweile ein Alltagsproblem geworden. Zudem belegen viele Studien, dass Betroffene dieser Schwäche nach weiteren Informationen zu den jeweiligen Themen suchen, wodurch ein sich selbst verstärkender Kreislauf – oder eher: eine Abwärtsspirale – entsteht.

Das Befassen mit Negativem hat zweifelsohne auch einen sinnvollen Zweck, wenn es maßvoll und verantwortbar ist. Es macht bei der Planung eines Familienurlaubs durchaus Sinn, die Gefahr von Schnee- oder Geröll-Lawinen zu googlen oder beim Badeurlaub das Vorhandensein von Raubfischen zu prüfen. All das geschieht aber maßvoll und zweckgebunden, im Gegensatz zu ungefilterter Exposition mit allem Leid und allen Schicksalsschlägen unserer Zeit.

Sensationslust und Doom-Scrolling zu biblischen Zeiten

Formen der Sensationslust bzw. des Doom-Surfings gab es schon zu biblischen Zeiten, wenn wir folgende Referenzen hinzuziehen:

„1 Zu derselben Zeit waren aber einige zugegen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte. 2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer mehr als alle Galiläer Sünder waren, weil sie Derartiges erlitten haben? 3 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. 4 Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete: Meint ihr, dass sie mehr als alle Menschen, die in Jerusalem wohnen, schuldig waren? 5 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“ (Lukas 13:1-5)

„21 Alle Athener aber und die Fremden, die sich da aufhielten, brachten ihre Zeit mit nichts anderem zu, als etwas Neues zu sagen und zu hören. 22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Männer von Athen, ich sehe, dass ihr in jeder Beziehung den Göttern sehr ergeben seid. 23 Denn als ich umherging und die Gegenstände eurer Verehrung betrachtete, fand ich auch einen Altar, an dem die Aufschrift war: Dem unbekannten Gott. Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrt, das verkündige ich euch.“ (Apostelgeschichte 17:21-23)

Erkennst Du die Problematik? Wir können in Anwendung des ersten Abschnitts den ganzen Tag über das Schicksal der Galiläer oder den Fall des Turms in Siloam diskutieren, dabei aber die wichtigste aller Fragen aus dem Blick verlieren. Ebenso können wir uns derart auf „News“ stürzen, dass z.B. der alleinige Gott uns ein „unbekannter Gott“ bleibt.

Wo liegt das Problem?

Wir müssen nüchtern anerkennen, dass wir jede in Corona-News oder Kriegsgeschehen investierte Minute nicht anders investieren können. Damit empfehle ich kein völliges Abwenden vom z.B. politischen Weltgeschehen oder wissenschaftlichen Errungenschaften, appelliere aber zu prüfen, ob eine wirkliche Betroffenheit – und damit verantwortbare Notwendigkeit – besteht.

Eine andere Fragestellung ist aber, wo Du wohnen willst. Das mag jetzt irritierend wirken, ist aber eigentlich eine Analogie zur zuvor besprochenen Psycho-Geographie. Du kannst durchaus beeinflussen, wo Du „wohnst“ und welches Umfeld evtl. Deine Entscheidungen beeinflusst. Lesen wir dazu einmal folgenden, bekannten Vers:

„15 Wer in Gerechtigkeit wandelt und Aufrichtigkeit redet; wer den Gewinn der Bedrückungen verschmäht; wer seine Hände schüttelt, um keine Bestechung anzunehmen; wer sein Ohr verstopft, um nicht von Bluttaten zu hören, und seine Augen verschließt, um Böses nicht zu sehen, 16 der wird auf Höhen wohnen, Felsenfestungen sind seine Burg; sein Brot wird ihm dargereicht, sein Wasser versiegt nie.“ (Jesaja 33:15-16)

Dieses alttestamentliche Prinzip ist sicher heute noch ein wertvoller Praxistipp. In vielen Fällen können wir das Maß der Kontamination mit negativen Schlagzeilen und Eindrücken beeinflussen – und sollten es auch tun, zum Wohle unserer seelischen Gesundheit. Nicht umsonst appelliert Gottes Wort, uns mit einem positiven „Newsfeed“ zu umgeben (was keine Ignoranz gegenüber z.B. „Schicksalsschlägen“ bei Geschwistern bedeutet) und diesen zu erwägen – uns also innerlich gründlich damit zu befassen:

„8 Im Übrigen, Brüder, alles, was wahr, alles, was würdig, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was lieblich ist, alles, was wohllautet, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dies erwägt.“ (Philipper 4:8)

Weitere Probleme des Doom-Scrollings sind natürlich auch psychologische Effekte wie die unterstützende Wirkung auf bereits bestehende Depressionen, Angststörungen oder Schlafprobleme und führt nachweislich zu einem gesteigerten Stresshormonspiegel. So absurd es auch klingt: ein seelisches Überreizen mit „Negativ-Propaganda“ aktiviert die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn. Je mehr Du Dich also negativem Stress aussetzt, desto mehr „Kicks“ erhältst Du – was zu einer nahezu unstillbaren Dopaminsucht führen kann. Dopamin ist schließlich ein erregend wirkender Neuro-Transmitter, der auch „Glückshormon“ genannt wird. Satans morbide Taktik ist dabei denkbar einfach: „Du willst Glück empfinden? – Dann vergifte Dich mit Negativem!“.

Wo liegt die Lösung?

Grundsätzlich können wir zu Medienkonsum folgende Tipps geben:

Zeitlimits festlegen

Beim Surfen in sozialen Medien und auf Nachrichtenseiten kann man leicht die Zeit vergessen. Nutze einen Timer auf Deinem Handy oder lege feste Zeiten für das Surfen im Internet fest. Lege zudem bewusst ab und zu eine längere z.B. Social-Media-Pause ein. Denke immer daran, dass wir nicht „unser selbst“ (1.Korinther 6:19) sind und unsere Zeit sinnvoll nutzen sollen:

„15 Gebt nun Acht, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 die die gelegene Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse.“ (Epheser 5:15-16)

Kontrolliere, was Du aufnimmst

Nicht alle Nachrichten sind schlecht. Wenn Du einige der negativen Schlagzeilen in Deinem Feed durch positive Geschichten ersetzen, wirst Du sicher weniger Stress empfinden. Du kannst Dein Online-Erlebnis schließlich weitestgehend selbst gestalten. Folge Accounts mit lehrreichen, aufmunternden oder menschlichen Inhalten, um die negativen Inhalte auszugleichen. Meide möglichst Shorts oder ähnliche Formate, wo Du nie weißt, was nach dem nächsten „Swipen“ kommt. Sei Dir zudem bewusst, dass Medienkonsum auch eine Form der Nahrungsaufnahme ist und handle wie Daniel (siehe auch Hiob 31:1):

„8 Und Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen; und er erbat sich vom Obersten der Hofbeamten, dass er sich nicht verunreinigen müsse.“ (Daniel 1:8)

Achtsames Scrollen

Achtsamkeit bedeutet, sich bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren (also z.B. auch Wachsamkeit und Nüchternheit), anstatt sich nur über die Vergangenheit oder Zukunft Gedanken zu machen. Wenn du dich beim Doom-Scrolling ertappst, halte inne und beobachte, wie du dich geistig und körperlich fühlst. Durchbrich die „Trance“, indem du aufstehst und Dein Handy für eine Weile weglegst. Bedenke, wer bzw. wessen Du eigentlich bist und rufe Dir die Präsenz Deines Hauptgegners ins Bewusstsein:

„8 Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“ (1.Petrus 5:8)

Priorisiere gesündere Aktivitäten

Anstatt zu scrollen, gehen spazieren, lies ein Buch, mache Dir einen Snack oder widme Dich einem Hobby, das Dir Spaß macht. Nimm kleine Änderungen vor, um weniger Zeit am Bildschirm zu verbringen. Weiche auch nicht z.B. auf Predigten unter Youtube aus, sondern diszipliniere Dich zu einem bewussten „Digital Detox“ (also Abstinenz von digitalen Inhalten, was auch eine gesegnete Form des „Fastens“ ist). Lerne aber auch von Paulus, denn aktuelle, unnütze Aktivitäten sind ebensolcher „Dreck“ wie Paulus‘ nicht zielführende Vergangenheit:

„7 Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; 8 ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne“ (Philipper 3:7-8)

Resümee

Christus verheißt uns an vielen Stellen der Bibel Freiheit und Freude. Dennoch können wir uns durchaus selbst erneut „knechten“ (Galater 5:1), beispielsweise durch mediale Sensationslust oder Doom-Scrolling. Ganz sicher besteht aber auch die reale Gefahr, dass wir die hierzu eingesetzte Zeit nicht „auskaufen“ und für Mission, Wachstum und die Gemeinschaft der Gläubigen einsetzen. Haben wir einen wachen Geist, wer bzw. wessen wir sind und nutzen wir diese Ressource Gottes zielführend und verantwortungsbewusst. Wähle Deinen Wohnort auf den „Höhen“ und schütze Dich – auch seelisch – in dieser „Felsenfestung“!

Oliver Attendorn

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