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Die Problematik der „Lebenslügen“ ist weit verbreitet, auch unter Christen. Dabei ist kein böser Wille vorhanden, eher fehlende oder zu geringe Achtsamkeit und Objektivität. Was könnenw ir nun unter Lebenslügen verstehen und wie kann es zu diesem Irrtum, dieser Fehleinschätzung, kommen? Dazu einige Beispiele:

  • Wir projizieren unsere Erfahrungen auf andere Menschen und Sachverhalte.
  • Wir verwenden problematische Verallgemeinerungen.
  • Wir machen Unterstellungen.
  • Wir arbeiten mit Vorurteilen.
  • Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Erklärungen und Deutungen richtig sind.

Wir erkennen, dass diese Lebenslügen Selbsttäuschungen sind und uns raffiniert und heimtückisch in die Irre führen können.

Es kann ebenso sein, dass wir unser Gewissen durch Argumente beschwichtigen, von denen wir uns bei rationaler Sichtweise distanzieren würden. Doch wie kann es zu solchen Verhaltensmuster kommen, die eigentlich Selbsttäuschungen bzw. Selbstbetrügereien sind? Die Antwort ist der Lebensstil.

Was ist der Lebensstil?

Wir möchten eine Auswahl an Faktoren anführen, was unseren Lebensstil prägt:

  • Unsere persönliche Weltanschauung,
  • unsere subjektive Art zu denken,
  • unsere subjektive Art zu fühlen,
  • unsere subjektive Art zu handeln,
  • unsere persönliche Art zu lieben bzw. Liebe zu zeigen,
  • unsere persönliche Art zu kommunizieren,
  • unsere persönliche Art zu arbeiten,
  • unsere persönliche Art zu glauben.

Grundhaltungen wie Pessimismus, Optimismus, Aktivität oder Passivität, Harmoniezwang oder Streitsucht, das alles prägt meinen Lebensstil.

Bei wohl der meisten Menschen stehen sich dabei positiv-konstruktive und negativ-destruktive Überzeugungen gegenüber. Der Lebensstil kann also auch als die Summe meiner (unreflektierten) Lebensüberzeugungen gesehen werden, also ein Stück weit als „Brille“, durch die wir alles sehen und deuten.

Was sind Lebenslügen?

Vereinfach gesagt, sind es Irrtümer, die uns unbewusst täuschen und mit oder ohne unser Zutun entstanden sind. Dazu zählen beispielsweise:

  • Überzeugungen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen,
  • Erwartungen, die völlig irreal und unrealistisch sind,
  • Vorurteile, die wir uns schon als Kinder und Jugendliche zu eigen gemacht haben,
  • Selbsttäuschungen, die wir uns aus verschiedensten Gründen angeeignet bzw. antrainiert haben,
  • Lebensirrtümer, die wir hartnäckig festhalten und
  • Abwehrmethoden, um uns zu schützen, uns nicht zu blamieren oder bloßstellen zu lassen.

Im geistlichen Bereich sind Lebenslügen ebenfalls ein Problem. Wir können eine favorisierte Deutung mit passenden Bibelstellen untermauern, während wir andere Argumente außen vor lassen. So gaukeln wir uns vor, eine biblische Sicht zu haben; nach einiger Zeit

  • glauben wir, das Richtige zu tun,
  • glauben wir an unsere Überzeugungen und
  • glauben, Gottes Willen zu tun.

Der geliebte Feind

Lebenslügen sind Verhaltensmuster, mithilfe derer wir uns beruhigen und nicht bewusst durchdenken und in Gottes Licht stellen. Sie haben oft den Zweck, Böses zu legitimieren und dienen als Bewältigungsstrategie, als Problemlöser.

  • Abhängige ertränken beispielsweise Probleme und Schwierigkeiten in Alkohol, vernebeln sie in Tabakrauch oder betäuben sie mit Tabletten. Ihr dysfunktionales Denken gaukelt ihnen vor, dass man mit einem besonderen Maß an Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert ist, der den Abusus rechtfertigt und der Lebensstress nur so verarbeitet werden kann.
  • Angstkranke distanzieren sich durch Überängstlichkeit davon, mit der Realität konfrontiert zu werden. Die ausgelebte Angst hat oft das Ziel der Isolation oder auch des Generierens von Mitleid.
  • Zwangsgestörte oder an Essstörungen erkrankte Menschen haben konstant den diffusen Eindruck, zu dreckig oder zu dick zu sein und regulieren ihr ganzes Leben im Rahmen dieser Fehleinschätzung.

Ja, diese Lebenslügen sind eine Art „geliebter Feind“, den wir bei rationaler Sicht gern los wären, andererseits klammern wir uns aber an ihn und können uns ein Leben ohne diese schädigenden  Verhaltensmuster nicht vorstellen.

Der Lebenslügen-Rekorder

Im Laufe des Lebens haben wir eine Unzahl an Eindrücken, Empfindungen und Sichtweisen abgespeichert, die jederzeit in Erinnerungen gerufen, aber auch modifiziert und gelöscht (abtrainiert) werden können. Die Summe dieses Archivs nennt sich im Fachjargon tendenziöse Apperzeption, wir können es als „Brille“ oder Voreingenommenheit/Framing verstehen.

So sieht ein Optimist die Welt weit rosiger als der Pessimist, der dunkle Wolken wittert oder erwartet. Er traut sich auch weit mehr zu und ist meist vertrauensselig, während sein Gegenpart deutlich argwöhnischer und misstrauischer eingestellt ist.

Auch als Ehepaare, Gruppen oder Gemeinden können wir Lebenslügen anheimfallen, die eine irrationale Sicht und Weltanschauung erzeugt. Innerhalb dieser Gruppe entstehen dann so genannte Echokammern, in denen eine weitestgehend einheitliche Sicht und Kommunikation herrscht.

7 Tipps zum Überwinden von Lebenslügen

Wie können wir nun persönlich, als Gruppe oder Gemeinde diese „Bubble“ dysfunktionaler Sicht- und Verhaltensweisen verlassen?

#1 Ehrlichkeit

Wir können uns wachsam selbst beobachten und antrainieren, uns selbst gegenüber absolut ehrlich zu sein. Auftauchende Schein-Argumente sollten wir nicht entkommen lassen, sondern sie rational durchleuchten und abwehren.

#2 Anerkenne Selbsttäuschungen

Wir lesen in Psalm 32:2, dass es gut ist, wenn in unserem Geist keine Selbsttäuschung ist. Wir sollten wirklich reflektieren, warum wir uns selbst täuschen und wie gut das dadurch zu erreichende Ziel wirklich für uns ist: Fliehen wir vor der Wirklichkeit? Sollen immer die anderen Schuld sein? Ist es eine Schutzmaßnahme?

#3 Projiziere die Vergangenheit nicht in die Zukunft

Ein Bruder sagte einmal: „Die Gegenwart ist die Vergangenheit von morgen“ – da hat er recht. Vielfach reden wir uns selbst „lahm“, diese Selbstindoktrination kann dazu führen, dass wir entmutigt, desillusioniert und resigniert zum Stillstand kommen. Werfen wir einen festen Blick auf Christus, den Anfänger und Vollender des Glaubens und verlassen wir unsere vergangenheitsgeprägten Denkmuster und Verhaltensweisen.

#4 Korrigiere Deine geistliche Sichtweise

Manche Christen unterliegen der Fehleinschätzung, als könnten oder müssten sie ihr Leben selbst produzieren oder bewältigen. Diese so genannte Selbstproduktion verschleiert oft die Sicht darauf, aus Gnaden angenommen und akzeptiert worden zu sein. Wir konnten und können uns nicht rückwirkend rechtfertigen – das ist auch gar nicht notwendig!

#5 Schätzt Missgeschicke richtig ein!

Manche unserer Fehler sind wirklich dumm und haben auch länger andauernde Konsequenzen, die wir „ausbaden“ müssen. Verlieren dennoch nicht den Blick auf das Große und Ganze. Hast Du auch schon erlebt, wie relativ manche Nöte werden, wenn wir plötzlich erkranken? Das Einnehmen der Meta-Perspektive ist dabei eine gute Hilfe.

#6 Bleib nicht bei Erkenntnis stehen

Der Feind „Selbsttäuschung“ hat ein zählen Leben. Deshalb müssen wir beim Erkennen von Selbsttäuschung nicht nur unsere Denkmuster, sondern auch die aus diesem Irrtum resultierenden Verhaltensweisen ändern.

#7 Offene Kommunikation

Mit bestimmten Freunden ist es gut möglich, über eventuelle Selbsttäuschungen zu sprechen. Bevor es zu diesem Dialog kommt, sollten sich die Gesprächspartner aber im Klaren sein, dass das Nennen von falschen Selbsteinschätzungen schmerzhaft, aber sehr wertvoll ist. Es korrigiert die „Brille“ und führt zu einer objektiven Sichtweise.

Fazit

Selbsttäuschungen sind ein weit verbreitetes Manko, das wir mit Gottes Hilfe aber erkennen und ablegen können. Wir haben uns sicher schon selbst ertappt, dass wir mit Vorurteilen in Gespräche gegangen sind, wodurch sich unsere Wahrnehmung verschoben hat.

Gott will uns auch hier helfen, dass in unserem Geist keine Selbsttäuschung ist. Dazu haben wir Seinen Geist, Sein Wort und Glaubensgeschwister, die uns hier eine aufrichtige und nachhaltige Hilfe sein können!

Oliver Attendorn

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