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Wir besprechen in diesem Beitrag den Begriff der „Willensschwäche“ und Möglichkeiten des Überwindens derselben.

Sprachlicher Hintergrund

Sprachlich steht Wollen meist für einen rationalen, bewussten Akt, eine Willensentscheidung, für ein Ausrichten auf eines mehrerer möglicher Ziele. Vereinfacht gesagt, ist Willensschwäche also, wenn wir Option 1 für am besten halten, jedoch ohne Zwang Handlung B ausüben. Deshalb verwendete Homer „βούλομαι“ (boulomai) auch im Sinne von lieber wollen, vorziehen, wählen und beschließen. Ebenfalls gibt es aber ein affektbetontes Wollen: so verwendet er „ἐθέλω“ (ethelō) für geneigt sein, begehren, entschlossen wollen und wünschen. Warum ist der sprachliche Hintergrund wichtig zu beachten? Gehen wir darauf etwas genauer ein.

Wollen und Nicht-Wollen

Lesen wir zunächst einen bekannten Abschnitt aus dem Römerbrief:

„14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; 15 denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht das, was ich will, tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. 16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es recht ist. 17 Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. 18 Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht. 19 Denn nicht das Gute, das ich will, übe ich aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.“ (Römer 7:14-20)

Wir erkennen, dass es zwei entgegengesetzte „Willen“ in uns gibt: a) die in meinem Leib wohnende Sünde und b) unseren Geist bzw. unsere Seele. Diese Erkenntnis unterstützen auch folgende Verse:

„11 Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und als solche, die ohne Bürgerrecht sind, euch der fleischlichen Begierden zu enthalten, die gegen die Seele streiten“ (1.Petrus 2:11)

„16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit {besser: sodass} ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ (Galater 5:16-17)

Wenn wir nun den Bogen zum sprachlichen Hintergrund schlagen, wird deutlich, wie zutreffend Homers Übersetzung als lieber wollen, vorziehen ist. So ist Wollen in Zusammenhang mit dem Treffen einer Entscheidung zu sehen.

Was läuft heute falsch?

In vielen Lebensbereichen findet eine schleichende, zunehmende Viktimisierung – also das Zuschreiben einer Opferrolle – statt. Das macht auch vor uns Christen nicht Halt, so wurde in unserem Seelsorgedienst bereits mehrfach folgender Bibelabschnitt verwendet, um die Verantwortung für Fehlverhalten „abzuwälzen“:

„12 Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Anwesenheit, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern; 13 denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen.“ (Philipper 2:12-13)

Doch fordert Gottes Wort einerseits Gehorsam und aktives Bewahren, während es andererseits betont, dass die Verantwortung dafür letztendlich bei Gott liegt? Es ist wichtig, dass wir verantwortungsbewusst leben und Verantwortlichkeit für unsere Taten anerkennen. Wir sind durchaus verantwortlich, was wir lieber wollen und vorziehen, auch wenn beispielsweise Depressionen und Abhängigkeiten deutlichen Einfluss nehmen können.

Wie können wir widerstehen bzw. überwinden?

Es hat Geschwistern oft geholfen, bei Willensschwäche folgende Fragen zu stellen:

  • Habe ich ein konkretes oder ein nur diffuses Ziel, das ich willentlich erreichen möchte?
  • Ist es ein realistisches Ziel, zu dessen Erreichen ich mich willentlich entscheide?
  • Denke ich rational, oder wäre die Willensentscheidung eher impulsiv/affektiv?
  • Gibt es evtl. Zwischenziele, die ich stattdessen fokussieren sollte?
  • Befindet sich das Ziel im Wirkungsbereich der Sünde oder des Geistes? Wie wird mein Wunsch biblisch untermauert?
  • Wenn ich keinen Willen zum Erreichen dieses Ziels aufbringe, was bevorzuge ich stattdessen?
  • Warum sollten Gott oder Satan meinen Willen zu diesem Ziel hemmen wollen? Bringt mich das Ziel näher zu Christus, oder führt es mich weg?
  • Wenn Dein Ziel ein gutes ist, willst Du dann wirklich – wider besseres Wissen – die schlechtere Option wählen?

Der Wille hat letztlich zwei Seiten. Wenn ich frei sein will, muss ich Gebundenheiten bewusst nicht wollen. Es ist zudem eine Hilfe, mir das zu erreichende Ziel konkret vorzustellen (so, wie man beim Pflanzen auch oft an die fertige Frucht denkt) und dann die richtige Willensentscheidung in Einklang mit dem Geist Gottes zu treffen.

 

Oliver Attendorn

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