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In der therapeutischen Begleitung ist es immer eine wichtige Anforderung, einen gangbaren Weg zu finden. In unseren Zeiten der Hektik und häufiger Überlastung dürfen keine zu hohen Ziele oder zu große Schrittweiten vorgenommen werden, wenn das Ziel erreicht werden soll. Zunächst müssen wir feststellen, dass vorhergehende Generationen wohl kein Mehr an Freizeit hatten, den damit einhergehenden Aufwand aber meist besser bewältigen bzw. kompensieren konnten.
Warum sind wir dann so oft verunsichert und werden angesichts der sich vor uns auftürmender Berge oft mutlos oder reizbar?
Ein Grund sind technische Entwicklungen, die uns das Leben erleichtern sollen, uns aber – bei allen Vorteilen – ein bewusstes, schrittweises Gehen abtrainieren. Wenn wir für viele Aufwände und Probleme „Helferlein“ haben, verlernen wir leicht, uns mit diesen bewusst zu konfrontieren, sie zu überwinden und aus der Situation zu lernen.
Die Schnelllebigkeit unserer Zeit treibt uns durch das Leben und ein bewusstes Innehalten, Nachdenken und der Prozess der Lösungsfindung ist uns oft zu zeitintensiv. Wir werden dann ungeduldig und wollen sofort eine Lösung, statt in der Lösungsfindungsphase zu reifen. Irrtümlich denken wir, wir bräuchten diese Zeit doch eigentlich für wichtigere Dinge und unsere Ungeduld führt oft zu oberflächlichem, vorschnellen Handeln.
Das Auflösen vieler seelischer Nöte macht es erforderlich, sein Leben zunächst „herunterzutakten“, in der Lebensführung also vom Dreisprung zum schrittweisen und bewussten Fortbewegen zu wechseln – denn wenn nur auf ein fernes Ziel schaut, kann man schnell Stolpern.
Verdrängung bremst aus
Vielleicht hast Du es auch schon erlebt. Wenn wir morgens aufwachsen und eine eskalationsgefährdete Besprechung oder eine schwere Klassenarbeit ansteht, drehen wir uns erst mal auf die andere Seite. Nicht, weil wir beruhigt und entspannt sind, sondern weil wir uns noch nicht mit dem Anstehenden konfrontieren möchten. Wir verschieben das Problem auf später, wodurch wir logischerweise den Zeit- und Leistungsdruck erhöhen. Disziplinierte Menschen hingegen haben erkannt, dass selbst 1000km aus einer Vielzahl kleiner Schritte bestehen, stehen auf und arbeiten zielführend an einer Lösung – Schritt für Schritt. Das ist doch die Herausforderung: sich der Aufgabe oder dem Problem zu stellen, statt es zu verdrängen oder aufzuschieben und kleine Schritte in die richtige Richtung zu gehen.
Eine Frage der Lebensqualität
Rückblickend sind Lebensphasen, die wir im Dreisprung hinter uns legten, auch nicht von hoher Lebensqualität geprägt. Schrittweises Fortbewegen erlaubt es, mal kurz innezuhalten und zu reflektieren, während im Dreisprung der Schwung aufrecht erhalten werden muss, um nahtlos in den nächsten Sprung überzugehen. Sicher, es gibt Phasen, wo schnelles Reagieren und Agieren gefordert sind, das sollte aber nicht der Alltag sein.
Wie können wir das realisieren?
Kommen wir zurück zu dem Bild des morgendlichen Aufstehens. Wir müssen uns zunächst entschließen, den ersten Schritt zu tun – das ist anfangs oft eine große Herausforderung, zu der wir uns disziplinieren müssen. Stellen wir uns aber folgende Fragen:
- Sollte ich Zeitdruck für den ganzen Tag generieren, nur, weil dass Bett bequem ist (oder z.B. so interessante Video-Shorts laufen)?
- Wird mein Verzögern die Konfrontation mit der Problematik verhindern, oder nur aufschieben?
- Ist es nicht ein Vorteil, sofort und mit ausreichenden Zeitressourcen an einer wirklich guten Lösung zu gehen?
- Bin ich dem Problem wirklich nicht gewachsen, dass ich ängstlich im Bett verharren muss?
Insbesondere bei weit entfernten Zielen ist es wichtig, dass wir eine schrittweise, gleichmäßige und kontinuierliche Gangart wählen. Du wirst keinen Bergsteiger finden, der gen Gipfel sprintet. Warum nicht? Der Bergsteiger hat erkannt,
- dass kleine Schritte leichter sind,
- dass sie überschaubarer sind und ein Stolpern verhindern,
- das sie Schwierigkeiten verhindern (z.B. abzurutschen) und
- er diese Schritte zugleich entspannt und unbesorgt gehen kann.
Ein letzter Schritt
Wenn wir unsere Lebensführung nun in einzelne Schritte unterteilt haben, können wir auch die letzten Schritte des Tages planerisch begehen:
- Soll ich eben noch den kleinen Abwasch machen, damit ich mich morgen direkt über die aufgeräumte Küche freue?
- Kann ich eben noch dem Müll an die Straße stellen, damit ich morgen keinen Zeitdruck habe?
- Morgen muss ich ja im Anzug zur Arbeit erscheinen, dann hänge ich mir am besten die Kleidung schon raus.
Diese Vorgehensweise und Lebensführung sind eine große seelische Entlastung und schenkt in vielen Fällen eine deutliche Befreiung aus dem Getriebensein. Angesichts des Geschafften können wir zufrieden in den Schlag gleiten und uns morgen diszipliniert den Herausforderungen des Tages widmen – Schritt für Schritt…
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